Ein wenig Glück von Claudia Piñeiro


Original: "Una suerte pequeña" / 2015, Unionsverlag*, 224 Seiten, gebunden, Übersetzer/ -in: Stefanie Gerhold, Einzelband,  ★★★★☆ 4 von 5 Sterne,  hier kaufen als Buch oder eBook

Ein Bahnübergang, eine heruntergelassene Schranke, ein blinkendes rotes Licht und kein Zug. Drei, fünf, acht Minuten … und kein Zug. Mary Lohan hat ihren sechsjährigen Sohn, Federico, und Juan, seinen Schulfreund, im Auto. Sie wollen ins Kino. Ihr Auto ist das dritte in der Warteschlange. Der erste Wagen umfährt die Schranke und überquert die Gleise, der zweite ebenso. Die Kinder singen vergnügt, der Filmbeginn rückt näher und kein Zug ist in Sicht. Also los, auch sie wird es wagen. Die Schranke ist schon lange ein Ärgernis. Ob ein Zug überhaupt kommt, ist ungewiss.Zwanzig Jahre nach der Katastrophe kehrt Mary zurück in die Vergangenheit, aus der sie geflohen ist.Zwischen herbeigesehnten Begegnungen und erschütternden Enthüllungen begreift sie endlich, dass ihre Rückkehr vielleicht so etwas wie ein wenig Glück bedeutet.

E I N    E M O T I O N A L E R   R O M A N   Ü B E R   D A S   L E B E N  U N D   D E N   T O D

Ein gefährlicher Titel mit der dazu passenden gefährlichen Geschichte! Nun allzu schnell und leicht könnte dieses Buch in die zu gut bekannte Schnulze abweichen. Aber trotz allem, überrascht mich das Buch und erweist sich als ein solides Drama, dass einen sprachlos zurück lässt.
Ich las noch nie ein Claudia Piñeiro Buch vorher, ich wusste nicht worauf ich mich hier einließ. Normalerweise hätte ich um diese Art von Roman einen großen Bogen gemacht und das aus persönlichen Gründen. Aber als ich von diesem Buch erfuhr wollte ich es unbedingt lesen.
Die Geschichte ist emotional ergreifend und regt den Leser zum Nachdenken an. Über das Leben und das Schicksal. Die Geschichte wird nicht gleich als Gesamtbild dargestellt. Der Leser liest sich Stück für Stück in die Ereignisse der Vergangenheit ein. Mann neigt bei dem Buch sehr schnell zu Vorurteilen, und genau so ging es mir an einer bestimmten Stelle auch. Wieso hat Mary nicht so und so gehandelt? Wieso hat sie nicht das und das getan? Natürlich hat Mary damals einen Fehler gemacht, aber das weiß sie und das weiß letztendlich auch der Leser. Was bringen jetzt Anschuldigungen? Nichts. Den Mary hat gelitten und das genug.
Es wird auch viel über die Sprache an sich, die Literatur und das Schreiben geredet, was mir besonders gut gefallen hat.
Claudia Piñeiro benutz keine ausgefallenen Wörter und trotzdem fühlt sich die Geschichte beim Lesen sehr real an. Nicht nur einmal habe ich mir die Frage gestellt, was hätte ich an Stelle von Mary getan, wie hätte ich gehandelt? Trotz dem sehr klaren, einfachen und schlichten Schreibstil, lädt das Buch zum endlosen Lesen ein. Die Einfachheit des Schreibstils zeigt, dass nicht immer viele Wörter nötig sind um etwas näher zu bringen. Es geht nur um die richtige Dosis an der richtigen Stelle. Claudia Pińeiros Schreibstil und die resultierende Intensität, erschlagen den Leser immer wieder.
Der Roman hat mich zur Weinen gebracht, vor Leid, Mitgefühl, Beklemmung, Ärger und Rührung.
Diese Geschichte lässt keinen Kalt.

*Vielen Dank an den Unionsverlag für die Bereitstellung eines Leseexemplars!

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